Die Matrix
ein Erfahrungsbericht
Vor ca. 13 Jahren wachte ich eines nachts ohne einen bestimmten Grund auf und konnte nicht mehr einschlafen. Es war irgendwann zwischen drei und fünf Uhr. Im Haus war es still. Gedankenleer und müde stand ich auf, trank einen Schluck Wasser und schaute aus dem Fenster. Von meinem damaligen Schlafzimmerfenster aus hatte ich den Überblick über einen großen Teil der Straße, die einmal quer durch den Ort verläuft. Draußen war es ruhig, die Rollläden der Häuser waren noch alle unten. Verschlafen schaute ich raus auf die Straße.
Diese nächtlichen Stunden, die schon ein bisschen den Morgen erahnen lassen, sind eine besondere Zeit. Man ist noch ganz verbunden mit der eigenen Seele. Gedanken und Einfälle in diesem Zustand kommen nicht irgendwo her – sie sind meist eine direkte Eingebung aus der geistigen Welt und von besonderem Wert. Therapeutisch ist dieser Zustand besonders für das Seelenschreiben geeignet. Die Worte kommen scheinbar aus dem Off und geben Aufschluss über die Hintergründe einer im Wachleben belastenden Situation.
Und so geschah es, dass in dieser Nacht vor meinen Augen plötzlich ein kristallines Gitternetz auftauchte. Es erinnerte mich ein wenig an die Bauten der Doozers aus der Kinderserie „Fraggles“ aus den 80ern.
Die Doozers waren die etwa kniehohen, grünen Wesen mit Bauhelmen und Stiefeln, die den ganzen Tag lang aus einer speziellen Radieschen-Stange, den sogenannten Daggis-Kristallen, leckere Gebäude bauten 😊 Gerne hätte ich jetzt die „allwissende Müllhalde“ der Fraggles befragt, was ich da denn sehe?
Dieses Gitternetz war dreidimensional. In alle möglichen Richtungen war es über Knotenpunkte miteinander verbunden. So wie beim Aufbau eines Zeltes die Zeltstangen über Verbindungsstücke miteinander verbunden sind, so waren dieses durchsichtigen Stäbe miteinander verkettet.
Der gesamte Ort, alles Häuser, die Straße, mein Schlafzimmer und ich selbst waren innerhalb dieses Gitternetzes. Ich bewegte mich ein wenig zum Fenster hin, um es näher zu betrachten. Das Netz bewegte sich mit. Machte ich einen Schritt, verzog es sich mit mir. Draußen fuhr ein Auto vorbei und das Netz machte eine Bewegung. Alles schien über diese Fäden miteinander verbunden zu sein – physikalisch, mechanisch – ich weiß bis heute nicht, was da die korrekte Bezeichnung wäre.
Am nächsten Morgen forschte ich im Netz nach dem Netz 😊 und stieß auf Seiten, wo dieses Phänomen als die „Matrix“ bezeichnet wurde. Ich hatte also die Matrix gesehen. Sie verbindet alles, was ist. Auch wenn sie unter normalen Umständen nicht sichtbar ist, so ist sie immer da und wir mittendrin. Wenn innerhalb der Matrix eine Bewegung entsteht – körperlich, gedanklich, emotional – dann bewegt sich das Gitternetz mit. Und wir spüren das! Mal entsteht ein Sog, mal ein Drücken. Wir können scheinbar gar nichts dagegen tun. Größere Ereignisse im Außen und kleinere Geschehnisse direkt in unserem Umfeld haben immer Einfluss auf uns ganz persönlich. Sie verändern unseren Raum und gestalten – wenn wir uns dessen nicht bewusst sind – unseren Raum mit.
Auf diese Veränderungen reagieren wir meist mit zwei Optionen. Entweder fühlen wir uns als Opfer der Umstände (Da kann man gar nichts gegen machen, das ist halt so!) und lassen uns von den Matrixbewegungen ziehen oder drücken. Oder wir gehen in den Widerstand und steigen in den Kampf ein, indem wir zurückziehen oder drücken. Der Matrix ist das vollkommen egal. Sie macht alles mit – schön flexibel und unzerbrechlich lässt sich das Gitternetz auf jede Akrobatik ein.
Und doch gibt es noch eine andere Möglichkeit mit ihr umzugehen. Anstatt mich von den Matrixbewegungen verbiegen zu lassen, kann ich mich auf mich besinnen, auf meine Präsenz im Hier und Jetzt. Darauf, dass ich einen Körper habe und dass ich ihn spüren kann. Der Ausstieg aus der Matrix geschieht über meine Körperintelligenz. Ich fühle mein „ich bin“, werde zum Beobachter und entscheide selbst, wie ich meine Räume und Verbindungen gestalten möchte.
Der Weg aus etwas heraus ist immer der Weg durch mich hindurch.
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